Sonntag · 05.02.2012 · 12:21 Uhr · Christian Ciemalla - handball-world.com
Positionspapier: Hanning fordert "gravierende strukturelle Änderungen im DHB"
Nach der bei der Europameisterschaft verpassten Vorqualifikation zu den Olympischen Spielen in London wurde - wie in den Vorjahren - viel über die Herren-Nationalmannschaft diskutiert. Mit einem Thesen- und Positionspapier wendet sich nun Bob Hanning als Geschäftsführer der Füchse Berlin an die Öffentlichkeit. Darin fordert er gravierende strukturelle Änderungen im DHB, aber auch eine Stärkung der Nachwuchsarbeit und die Einbindung der Landesverbände. Hanning, der auch Vize-Präsident der Handball-Bundesliga ist, macht sich zudem für eine Unterstützung des Prozesses durch die Liga stark.
Erst am Freitag hatte sich Vlado Stenzel, Weltmeistertrainer von 1978, an die Öffentlichkeit gewandt und einen Rücktritt von Martin Heuberger gefordert. Der zweite deutsche Weltmeistertrainer Heiner Brand stärkte Heuberger unterdessen den Rücken und auch Bob Hanning ist vom Brand-Nachfolger überzeugt: "Bundestrainer Martin Heuberger ist der richtige Mann um die notwendigen Schritte umzusetzen", schreibt der Geschäftsführer der Füchse Berlin in seinem Thesen- und Positionspapier, das er mit "Gedanken für eine Verbesserung rund um die DHB-Nationalmannschaft" betitelte. Das Papier liegt handball-world.com vor, ein Link befindet sich am Ende des Artikels.
In diesem Papier steht aber nicht der Bundestrainer und auch nicht eine Analyse des EM-Abschneidens im Vordergrund. Vielmehr liegt das Augenmerk auf strukturelle Defizite im DHB. Aus Sicht des Wahl-Berliners müsse der mit der für die Trainersuche initiierten Task Force eingeleitete Prozess auf struktureller Ebene fortgesetzt werden. "Die Strukturen des DHB müssen professionalisiert werden. Der Verband muss nach innen und außen ein modernes Profil erhalten" fordert Hanning, für den die Nationalmannschaft weiterhin das Aushängeschild des Deutschen Handballs ist.
"Ich kenne viele Seiten unseres Sports, war früher selbst beim DHB, als Trainer in der Bundesliga aktiv und bin jetzt bei den Füchsen Geschäftsführer eines Bundesliga-Clubs", erklärt Bob Hanning gegenüber handball-world.com seine Beweggründe für die ausführlichen Gedanken, "da war es mir ein Anliegen mich grundsätzlich mit der Situation auseinander zu setzen und mir Gedanken um eine Weiterentwicklung zu machen." Dabei war es ihm wichtig nicht durch pauschale Urteile auf sich aufmerksam zu machen sondern auch konkrete Ansätze und Vorschläge zu erarbeiten.
Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Verbandsstrukturen, eng verknüpft auch mit personellen Weichenstellungen. "Präsident Strombach hat beim letzten Bundestag seine Bereitschaft für eine verkürzte Legislaturperiode bis 2013 erklärt. Die Suche nach einem Nachfolger muss harmonisch und gemeinsam mit den Landesverbänden erfolgen" stößt der HBL-Vizepräsident damit auch die Diskussion um die Nachfolge des langjährigen Verbandspräsidenten an. Nationaltorhüter Silvio Heinevetter, zugleich Spieler bei Hannings Füchsen Berlin, hatte am Rande der Europameisterschaft Ulrich Strombach direkt angegriffen und auch nach seiner Rückkehr die Kritik bestätigt und erneuert.
Hanning differenziert hier stärker und rückt nicht den Präsidenten sondern die Aufgabenfelder des DHB in den Mittelpunkt. Demnach müsse sich der Deutsche Handballbund einem Professionalisierungsprozess unterziehen und entsprechende Leitlinien auch für die Landesverbände aufstellen. Gerade in der institutionellen Kommunikation zwischen Bundesverband und Landesverbänden sieht Hanning noch große Defizite, die sich beispielsweise auch in der medizinischen Betreuung der Spitzensportler bemerkbar machen würden. Mit dem generellen "Service" sowie des nationalen und internationalen sportpolitischen Einflusses benennt Hanning unter anderem zwei weitere Problemfelder.
Ein weiteres Hauptaugenmerkt liegt für Hanning im sportlichen Bereich, in der Förderung des Nachwuchses. Dazu gehören für den früheren Co-Trainer der Nationalmannschaft die Integration von vier Spielern unter 23 Jahren in die Nationalmannschaft, aber auch von mindestens drei deutschen Spielern unter 25 Jahren in die Kader der Bundesliga-Mannschaften. Ein ungelöstes Problem stelle ohnehin der Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich dar, "im Rahmen der Anschlussförderung müssen die Erstligisten über Partnerschaften zu Zweitligisten oder ausländischen Erstligisten verfügen" formuliert Hanning seinen Lösungsansatz.
Für den selbst als Trainer der A-Jugend der Füchse aktiven Hanning wird die Entwicklung der Nachwuchsspieler aber auch durch externe Einflüsse behindert: "Die Termine der Lehrgänge für Jugend- und Junioren-Nationalspieler müssen abgestimmt werden", fordert der aus eigener Sicht leidgeplagte Jugendtrainer. Zu oft müssten Spieltermine in der Jugend-Bundesliga verlegt werden, wenn ein Team Spieler in beide Nachwuchs-Nationalmannschaften abstellt. Da in diesem Altersbereich zudem die großen internationalen Turniere jährlich im August stattfinden, seien zudem eine Saisonvorbereitung und auch eine Integration in Profikader nahezu unmöglich.
Die Finanzierung weiterer Maßnahmen und struktureller Änderungen im DHB hält Hanning über eine intensivere Vermarktung der Nationalmannschaften für möglich. Insbesondere die Jugend- und Juniorennationalmannschaften würden hier noch zu wenig genutzt, obwohl gerade diese Teams regelmäßig als internationale Titelträger glänzen. "Der Handball verfügt in Deutschland im internationalen Vergleich über die besten ökonomischen Voraussetzungen und höchste mediale Präsenz, dies wird durch die Nationalmannschaft ungenügend genutzt", so Hanning.
Hanning, zugleich Vizepräsident der Handball-Bundesliga, sieht aber auch die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung durch den Ligaverband, "dies kann in Form eines zinsgünstigen Nachrangdarlehens geschehen." Sowohl für die Klausurtagung der Liga am Montag in Köln aber auch für die nächsten Gremientagungen des Deutschen Handballbundes dürfte damit für reichlich Gesprächsstoff gesorgt sein. Mit Blick auf das Aushängeschild Nationalmannschaft unterstreicht Hanning: "Es muss der Anspruch sein, bei großen Turnieren um Titel zu spielen." Kurzfristig sei dies aber nicht möglich und es reiche auch "definitiv nicht, so weiter zu machen wie bisher".
» Das Positionspapier von Bob Hanning zum Download
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Erst am Freitag hatte sich Vlado Stenzel, Weltmeistertrainer von 1978, an die Öffentlichkeit gewandt und einen Rücktritt von Martin Heuberger gefordert. Der zweite deutsche Weltmeistertrainer Heiner Brand stärkte Heuberger unterdessen den Rücken und auch Bob Hanning ist vom Brand-Nachfolger überzeugt: "Bundestrainer Martin Heuberger ist der richtige Mann um die notwendigen Schritte umzusetzen", schreibt der Geschäftsführer der Füchse Berlin in seinem Thesen- und Positionspapier, das er mit "Gedanken für eine Verbesserung rund um die DHB-Nationalmannschaft" betitelte. Das Papier liegt handball-world.com vor, ein Link befindet sich am Ende des Artikels.
In diesem Papier steht aber nicht der Bundestrainer und auch nicht eine Analyse des EM-Abschneidens im Vordergrund. Vielmehr liegt das Augenmerk auf strukturelle Defizite im DHB. Aus Sicht des Wahl-Berliners müsse der mit der für die Trainersuche initiierten Task Force eingeleitete Prozess auf struktureller Ebene fortgesetzt werden. "Die Strukturen des DHB müssen professionalisiert werden. Der Verband muss nach innen und außen ein modernes Profil erhalten" fordert Hanning, für den die Nationalmannschaft weiterhin das Aushängeschild des Deutschen Handballs ist.
"Ich kenne viele Seiten unseres Sports, war früher selbst beim DHB, als Trainer in der Bundesliga aktiv und bin jetzt bei den Füchsen Geschäftsführer eines Bundesliga-Clubs", erklärt Bob Hanning gegenüber handball-world.com seine Beweggründe für die ausführlichen Gedanken, "da war es mir ein Anliegen mich grundsätzlich mit der Situation auseinander zu setzen und mir Gedanken um eine Weiterentwicklung zu machen." Dabei war es ihm wichtig nicht durch pauschale Urteile auf sich aufmerksam zu machen sondern auch konkrete Ansätze und Vorschläge zu erarbeiten.
Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Verbandsstrukturen, eng verknüpft auch mit personellen Weichenstellungen. "Präsident Strombach hat beim letzten Bundestag seine Bereitschaft für eine verkürzte Legislaturperiode bis 2013 erklärt. Die Suche nach einem Nachfolger muss harmonisch und gemeinsam mit den Landesverbänden erfolgen" stößt der HBL-Vizepräsident damit auch die Diskussion um die Nachfolge des langjährigen Verbandspräsidenten an. Nationaltorhüter Silvio Heinevetter, zugleich Spieler bei Hannings Füchsen Berlin, hatte am Rande der Europameisterschaft Ulrich Strombach direkt angegriffen und auch nach seiner Rückkehr die Kritik bestätigt und erneuert.
Hanning differenziert hier stärker und rückt nicht den Präsidenten sondern die Aufgabenfelder des DHB in den Mittelpunkt. Demnach müsse sich der Deutsche Handballbund einem Professionalisierungsprozess unterziehen und entsprechende Leitlinien auch für die Landesverbände aufstellen. Gerade in der institutionellen Kommunikation zwischen Bundesverband und Landesverbänden sieht Hanning noch große Defizite, die sich beispielsweise auch in der medizinischen Betreuung der Spitzensportler bemerkbar machen würden. Mit dem generellen "Service" sowie des nationalen und internationalen sportpolitischen Einflusses benennt Hanning unter anderem zwei weitere Problemfelder.
Ein weiteres Hauptaugenmerkt liegt für Hanning im sportlichen Bereich, in der Förderung des Nachwuchses. Dazu gehören für den früheren Co-Trainer der Nationalmannschaft die Integration von vier Spielern unter 23 Jahren in die Nationalmannschaft, aber auch von mindestens drei deutschen Spielern unter 25 Jahren in die Kader der Bundesliga-Mannschaften. Ein ungelöstes Problem stelle ohnehin der Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich dar, "im Rahmen der Anschlussförderung müssen die Erstligisten über Partnerschaften zu Zweitligisten oder ausländischen Erstligisten verfügen" formuliert Hanning seinen Lösungsansatz.
Für den selbst als Trainer der A-Jugend der Füchse aktiven Hanning wird die Entwicklung der Nachwuchsspieler aber auch durch externe Einflüsse behindert: "Die Termine der Lehrgänge für Jugend- und Junioren-Nationalspieler müssen abgestimmt werden", fordert der aus eigener Sicht leidgeplagte Jugendtrainer. Zu oft müssten Spieltermine in der Jugend-Bundesliga verlegt werden, wenn ein Team Spieler in beide Nachwuchs-Nationalmannschaften abstellt. Da in diesem Altersbereich zudem die großen internationalen Turniere jährlich im August stattfinden, seien zudem eine Saisonvorbereitung und auch eine Integration in Profikader nahezu unmöglich.
Die Finanzierung weiterer Maßnahmen und struktureller Änderungen im DHB hält Hanning über eine intensivere Vermarktung der Nationalmannschaften für möglich. Insbesondere die Jugend- und Juniorennationalmannschaften würden hier noch zu wenig genutzt, obwohl gerade diese Teams regelmäßig als internationale Titelträger glänzen. "Der Handball verfügt in Deutschland im internationalen Vergleich über die besten ökonomischen Voraussetzungen und höchste mediale Präsenz, dies wird durch die Nationalmannschaft ungenügend genutzt", so Hanning.
Hanning, zugleich Vizepräsident der Handball-Bundesliga, sieht aber auch die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung durch den Ligaverband, "dies kann in Form eines zinsgünstigen Nachrangdarlehens geschehen." Sowohl für die Klausurtagung der Liga am Montag in Köln aber auch für die nächsten Gremientagungen des Deutschen Handballbundes dürfte damit für reichlich Gesprächsstoff gesorgt sein. Mit Blick auf das Aushängeschild Nationalmannschaft unterstreicht Hanning: "Es muss der Anspruch sein, bei großen Turnieren um Titel zu spielen." Kurzfristig sei dies aber nicht möglich und es reiche auch "definitiv nicht, so weiter zu machen wie bisher".
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