Freitag · 27.01.2012 · 17:03 Uhr · Felix Buß
Fünfter Platz dank Borkovski: Mazedonien greift nach olympischen Weihen

Mazedonien schaffte den Sprung auf den fünften Platz und freut sich über das Ticket zur Qualifikation für die Olympischen Spiele
Foto: Michael Heuberger
Slowenien ging durch Treffer von Montpelliers Rechtsaußen Dragan Gajic zunächst mit 2:0 in Führung, da das mazedonische Team einige Minuten brauchte, um sich auf die leicht offensive gegnerische Abwehr einzustellen, in der Luka Zvizej den Störenfried mimte. Spielmacher Naumche Mojsovski gelang dann nach sechs Minuten die 3:2-Führung für das kleine Balkanland, dessen Spieler beim letzten, alles entscheidenden Auftritt nicht mehr so spritzig wirkten wie zu Beginn der Europameisterschaft. Daher gelang Slowenien auch, trotz des zwischenzeitlichen 5:0-Laufs Mazedoniens auf 5:2 (11.), relativ leicht der Anschlusstreffer. Über die schnelle Mitte und per Strafwurf zeigten sich die Slowenier wurfstark. Kiril Lazarov hielt Mazedonien derweil im Alleingang vorn und erhöhte nach einer Viertelstunde in Unterzahl mit seinem fünften Treffer auf 8:5.
Mazedoniens Trainer Boris Denic hatte die steigende Fehlerzahl seiner Sieben verfolgt und zückte beim Stand von 5:9 die grüne Karte. Der slowenische Rückraum sollte mehr Druck entfachen um Kreisläufer Luka Zvizej freizubekommen, was beim folgenden Angriff funktionierte. Doch die Mazedonier hielten dagegen und hatten inzwischen auch zu ihrer beharrlichen Defensivarbeit gefunden, gegen die Slowenien nun Ideen entwickeln musste um im Spiel zu bleiben. Entgegen kam dem Team von Boris Denic dabei eine unvermittelt hohe Fehlerzahl im Spielaufbau und im Rückzug der Mazedonier. Immer wieder war abermals der Weg zum mazedonischen Tor frei, ohne, dass die Slowenen dafür viel tun mussten. Doch die Slowenen kamen nicht näher, weil auch sie im siebten EM-Spiel nicht immer konzentriert wirkten und einige Big Points verpassten.
Mazedoniens Routinier Stevche Alushovski konterte fünf Minuten vor der Pause zum 12:8, erstmals führte der „David“ mit vier Toren. Erneute schnelle Gegentore riefen dann Mazedoniens Trainer Zvonko Shundovski auf den Plan, der seine Jungs beim Stand von 13:10 dreieinhalb Minuten vor der Pause zum Rapport rief. Die mazedonische Mannschaft war danach in der Lage, den Vorsprung zu verteidigen und konnte sich dabei auch im Platzierungsspiel auf ihren Schlussmann Borko Ristovski verlassen, der bis zum 16:12-Pausenstand bereits sieben Würfe abgewehrt hatte. Sein Gegenüber Gorazd Skof konnte zwar gleich viele Treffer verteidigen, Mazedonien erarbeitete sich aber über die im Verlauf der ersten Hälfte erstarkte Abwehr ein Chancenplus, das sich in der Halbzeitführung widerspiegelte und eine gute Ausgangsposition für die zweite Hälfte eröffnete.
Nach Wiederanpfiff schien es zunächst, als würde sich Mazedonien auf den Weg zur Vorentscheidung machen. Doch im Abschluss passierten zu viele Fehler und Slowenien kam mit viel Tempo zurück ins Spiel. Dolenec und Brumen konterten zunächst den 12:17-Rückstand und nach Temelkovs Treffer zum 18:15 (37.) brachten Zorman, Zvizej, Brumen und Dolenec die Slowenen beim 20:18 wieder zurück in Vorlage. 13 Minuten nach Wiederanpfiff hatten die Slowenien, die in der Abwehr erneut mit einer offensiven Abwehr aufwarteten, aggressiv spielten und und weite Wege gingen, um den Spielaufbau der Mazedonier entscheidend zu stören, mit einer Energieleistung das Spiel zu ihren Gunsten gedreht. Kiril Lazarov hatten die Slowenen nun im Griff und zwangen dem Gegner um die Olympiaqualifikation ihr Spiel auf.
Doch Mazedonien konnte sich auf das druckvolle Spiel einstellen, zog Mitkov in der Defensive in Überzahl nach vorne und ging in der Offensive andere Wege. Kiril Lazarov stellte mit dem 23:22-Führungstreffer und seinem 59. Treffer einen neuen EM-Rekord auf. 2002 hatte Islands derzeit verletzter Schlüsselspieler Olafur Stefansson einmal seltener das Tor getroffen, zehn Jahre bestand dieser Rekord seither, den neuen sollte Lazarov im weiteren Verlauf noch ausbauen können. Die Hereinnahme von Mirkulovski hatte sich bei Mazedonien ausgezahlt, das die Partie fortan wieder im Griff hatte, aber es beim 26:23 (50.) verpasste, den Sack zuzumachen. Einige Zeitstrafen hatten die Slowenen in dieser Phase aus dem Rhythmus gebracht, die bis fast zum Schluss fruchtlos dem Ausgleichstreffer hinterherjagten.
Nach Luka Zvizejs fünftem Treffer zum 26:27-Anschlusstreffer hatten die Slowenen letztmals die Chance, das Spiel zu drehen. Unterstützt von einer Doppelparade des eingewechselten Schlussmanns Primoz Prost machte sich die Sieben von Boris Denic danach, drei Minuten vor Schluss, abermals auf dem Weg zum Ausgleichstreffer. Doch Uros Zorman zog das Spielgerät über die Querlatte ins Nichts. Naumche Mojsovski schied im Gegenangriff mit schmerzverzerrtem Gesicht aus und auch Kiril Lazarov kam gegen Miha Zvizej und Jure Dolenec nicht durch die Lücke. Filip Mirkulovski fand dann den Weg zum Tor, im Gegenzug musste jedoch Vladko Mitkov auf die Sünderbank und Zvizej stemmte sich weiter gegen das slowenische Olympia-Aus.
Letztlich wurde Sebastian Skube zur tragischen Figur der Slowenen, denn Borkovski hielt gegen ihn die mazedonische Olympiachance fest und zementierte zugleich das Olympia-Aus 2012 für die Slowenen, die sich nur durch einen EM-Titel der Serben doch noch qualifizieren können. Der Torhüter stürzte sein Team und dessen farbenfrohe Anhänger, die vor allem die Vorrunde in Nis zu etwas Besonderen gemacht hatten, mit dieser elften Parade in einen Jubelsturm, während die Slowenen sich gegenseitig trösteten und in diesem Sinne ebenfalls als Team einen positiven letzten Eindruck bei der EM 2012 hinterließen. Lazarov ließ sich im Anschluss an die partie noch zu einer großen Geste gegenüber dem Schlussman bewegen, die Ehrung für den "Player of the match" reichte der achtfache Torschütze an Ristovski gerne weiter.
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