redsport
RSS-Feed
Facebook
Twitter
IG Handball
Handball im Fernsehen
Handball-Ecke
Shop
Erima
Freitag · 27.01.2012 · 21:50 Uhr · Felix Buß - handball-world.com

Serbisches Team besiegt Kroaten und stürzt Gastgeberland in kollektiven Rausch


Darko Stanic war im zweiten Abschnitt der Rückhalt der Serben
Foto: Michael Heuberger
Serbiens Handballer stehen bei ihrer Heim-EM im Finale. Der Gastgeber gewann am Freitagabend in Belgrad das von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitete Halbfinale gegen Kroatien mit 26:22 (13:14). Momir Ilic (8/4) vom THW Kiel warf die meisten Tore für den Sieger. Bei den Kroaten traf Marko Kopljar (7) am besten. Im Endspiel am Sonntag (17.00 Uhr/Sport 1) trifft Serbien auf Dänemark. Der Vize-Weltmeister hatte sich zuvor gegen den WM-Dritten Spanien mit 25:24 (12:10) durchgesetzt. Kroatien und Spanien spielen am Sonntag (14.30 Uhr/Sport1) um Platz drei. Das «kleine Finale» leiten die deutschen Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig.

Schon nach 34 Sekunden war im Duell der serbischen Gastgeber und der Kroaten die erste Zeitstrafe fällig. Serbiens Bojan Beljanski hatte Blazenko Lackovic gefoult. Mannheims Kroate Ivan Cupic nutzte die Chance vom Strich, doch im Gegenzug verwandelte auch Kiels Serbe Momir Ilic aus sieben Metern. Es war ein Start ohne positive Akzente der Abwehrreihen und Torleute, beide Teams kamen durch Fehler der gegnerischen Mannschaft immer wieder zu leichten Treffern. Nach 200 Sekunden waren bereits sechs Treffer gefallen. Den Kroaten gelang es dann halbwegs, die 3:2:1-Abwehr zu sortieren, doch mehr als eine knappe Führung sprang dabei in den ersten Minuten nicht heraus. Momir Ilic gelang nach sieben Minuten, Serbien hatte trotz Unterzahl einen Strafwurf erkämpft, der 4:4-Ausgleichstreffer, aber Lackovic legte umgehend abermals für die Kroaten vor.

Als kurz darauf der zukünftige Göppinger Schlussmann Darko Stanic einen Wurf der Kroaten entschärfte, hatte dann Serbien die erste Führungschance im Halbfinale. Als Ivan Nikcevic zum 6:5 einnetzte, versank die Arena für Sekunden im Jubel. Weiterhin wurde die als hitzig erwartete und unter hohem Sicherheitsniveau durchgeführte Partie zwar beherzt, aber zumindest auf dem Parkett verlief die Begegnung fair. Nach einem engagierten Kampf um den Ball gingen Blazenko Lackovic und Ivan Nikcevic mit einem Lächeln auseinander. Dann erlahmten die Angriffsreihen beider Teams spontan. Über fünf Minuten jagte Serbien den 7:7-Ausgleich nach, ehe Ivan Nikcevic in der ersten Welle nach einer Stanic-Parade frei war und traf. Der kroatische Gegentreffer fiel ebenso schnell, der gordische Knoten schien wieder gelöst.

Dass es Kroatien in diesen fünf torlosen Minuten nicht geschafft hatte, eine erste komfortable Führung aufzubauen, konnte sich in der Phase vor der Pause rächen. Die Teams neutralisierten sich aber auch weiterhin. Nikcevic und Stankovic brachten Serbien beim 9:8 (19.) erneut in Vorlage und diese Treffer schienen auch die Defensive zu stärken. Serbien verschob nun in einigen Situationen gut, und Kroatien musste lange nach der Lücke suchen, die Vori schließlich beim 9:10 (22.) nutzte. Kopljar legte drauf und nach einem Ballgewinn hatte Kroatien die Möglichkeit auf drei wegzugehen. Nationaltrainer Slavko Goluza nahm, vielleicht zur detaillierten Vorbereitung eines Spielzugs, in dieser Situation seine Auszeit. Doch Domagoj Duvnjak vergab und es ging weiter hin und her. Zur Pause hieß es 14:13 für Kroatien, das in Alilovic bisher den besseren Torwart hatte.

Serbien hatte mit der Hereinnahme von Dragan Marjanac zwischen die Pfosten keinen Erfolg gehabt. Zu oft waren die kroatischen Werfer frei durch, zu oft der Mann hinter Stanic chancenlos. Zudem brachte Marjanac den Ball nach einem Block kurz vor der Sirene nicht schnell genug zurück aufs Feld, sodass die Chance zum Ausgleich für die Gastgeber ungenutzt verstrich. Immerhin waren nach der ersten Hälfte die Wurfquoten beider Teams, die anfangs bei 90 Prozent gelegen hatten, wieder im normalen Bereich. Beide Teams stellten inzwischen eine halbwegs solide Abwehr und zwangen den Gegner zu ungünstigen Abschlüssen. Nach Wiederanpfiff gelang das in der Defensive den Serben besser. Alem Toskic holte den Gastgebern beim 15:14 (34.) die Führung zurück und versetzte die über 15.000 serbischenAnhänger neuerlich in Verzückung.

Mit Domagoj Duvnjak an der Spitze der offensiven Abwehr, liefen die Kroaten danach einem Rückstand nach, den Ilic auf zwei Tore ausgebaut hatte und den die Serben fortan mit Zähnen und Klauen - und mit einem zunehmend euphorisierten Publikum im Rücken - verteidigten. Der Saal tobte, als Darko Stanic Ivan Cupic die Chance auf den 17:18-Abschlusstreffer raubte und im Gegenzug Dalibor Cutura einnetzte (42.). Chance um Chance vergaben die Kroaten danach gegen Stanic, der neben dem herausragenden Momir Ilic zum Garanten der serbischen Führung avancierte. Nach 46 Minuten wollte Slavko Goluza nicht mehr hinsehen und nahm früh sein letztes Time-out. Mit 17:21 lag sein Team bereits zurück. Der Weckruf wirkte schnell, Marko Kopljar feuerte den Ball zweimal in die Triangel. Doch Cutura erkämpfte einen Strafwurf und Ilic erhöhte auf 22:19.

Es war bereits der vierte erfolgreiche Strafwurf, den Ilic in die Maschen hinter Mirko Alilovic jagte. Und zehn Minuten vor Schluss war der Treffer ein wichtiger Fingerzeig dafür, dass die Kroaten gegen die nervenstark wirkenden Serben und die lautstarke Kulisse echte Probleme hatten. Der Zug zum Tor fehlte, der Rückraum schaffte es nicht mehr, Lücken in die serbische Deckung zu reißen. Andererseits gelang Momir Ilic nun alles. Der Starspieler führte Serbien gegen die Kroaten, die kurzzeitig eine 6:0-Formation versucht hatten, mit einem Doppelschlag zum 25:20 (53.) auf die Siegerstraße. Kroatien kämpfte sich zwar wieder heran, doch dieser Rückstand sollte sich am Ende als zu hoch erweisen. Marko Vujin machte mit seinem Treffer zum 26:22 zwei Minuten vor Schluss den Sack zu, da Stanic im Gegenzug parierte. Es blieb dabei, Serbien steht im Finale.


Handballecke.de Diskutieren Sie direkt im Forum mit!