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02/01/2010 - Benjamin Haller und Timo Lindemann, dpa |
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Affären sorgen im Norden für Betriebsamkeit |
Für den THW Kiel könnte der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ein teures Nachspiel haben. Nach der Anklageerhebung gegen die früheren THW-Erfolgsgaranten Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic verdichten sich die Anzeichen, dass Kiels Nordrivale SG-Flensburg-Handewitt Regressforderungen an den Rekordmeister stellen wird. "Es deutet viel darauf hin, dass es eine Schadenersatzklage geben wird", sagte Flensburgs Anwalt Thomas Summerer am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Hierbei gehe es um eine "beträchtliche sechsstellige Summe".
Dem THW wird vorgeworfen, während der Amtszeit von Ex-Manager
Schwenker und Ex-Trainer Serdarusic mindestens zehn Champions-League-Partien manipuliert zu haben, darunter das Finale 2007 gegen die SG. "Wir gehen davon aus, dass die Vorwürfe zutreffen", sagte der
Münchner Sportrechtler Summerer. Schwenker und Serdarusic, denen bis
zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe drohen, haben die Vorwürfe
der Schiedsrichterbestechung bislang stets bestritten.
Für ihn sei wichtig, dass die Staatsanwaltschaft Kiel gegen die
früheren THW-Macher nicht nur Anklage wegen Untreue erhoben habe,
sondern auch wegen Betrugs, sagte Summerer. Denn zum Betrug gehöre
immer ein Schaden, der in diesem Fall der «Wettbewerbsverzerrung»
eindeutig bei seinem Mandanten liege: "Der THW hat 2007
Sponsoreneinnahmen und Siegprämien eingestrichen und davon
langfristig profitiert. Hinzu kommt die dadurch gestiegene
Siegermentalität der Kieler. Das liegt der SG schwer im Magen."
Kiels Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Hinrich Vater reagierte
gelassen auf die jüngsten Entwicklungen. Bei ihm komme keine Unruhe
auf, so Vater. "Nach meinem Wissensstand gehe ich davon, dass gegen
den THW nichts Belastbares rauskommt." Zu den möglichen Forderungen
des norddeutschen Bundesliga-Kontrahenten sagte er: "Die Flensburger
müssen das tun, was sie für richtig halten."
In der Manipulationsaffäre rund um den THW geriet am Montag auch
das Kieler Landgericht in Kritik. Nachdem Schwenker und Serdarusic
erst durch die Medien von der Anklageerhebung erfahren hatten,
entschuldigte sich das Gericht für diesen Fauxpas. Man bedaure dies
sehr, hieß es. Das Gericht reagierte damit auf die Kritik von
Schwenkers Anwalt Harald Riettiens, der dem Kieler Gerichtssprecher
"einen schweren Verfahrensfehler" vorgeworfen hatte. Schwenker selbst
wollte zunächst abwarten, "was in der Anklageschrift steht". Er
räumte aber ein, dass ihn die Anklage nicht kalt lässt: "Klar, dass
mich das berührt", sagte er den «Kieler Nachrichten» (Montag).
Doch nicht nur der THW wird von seiner Vergangenheit eingeholt,
auch die SG muss mit unliebsamen Schlagzeilen leben. Gegen ihren
Präsidenten Frerich Eilts ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft
wegen Bestechlichkeit und besonders schwerer Untreue. Der frühere
Bankmanager Eilts wies die Vorwürfe aber zurück und forderte
stattdessen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens. "Nach
erfolgter Akteneinsicht hat mein Anwalt hierzu ausführlich Stellung
genommen und die Einstellung des Verfahrens beantragt", sagte Eilts
dem «Flensburger Tageblatt» (Montag).
Eilts soll als früherer Vorstandsvorsitzender der Flensburger
Sparkasse einem Makler Immobilien aus Kreditabwicklungsfällen der
Sparkasse verschafft haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet einen
Zusammenhang mit einem Werbevertrag des Immobilienmaklers zugunsten des Flensburger Handball-Bundesligisten.
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