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03/10/2010 - Alexander Winther
Regeländerungen sollen mehr Klarheit schaffen - HBL formuliert für Deutschland Änderungswünsche

Photo: Jürgen Pfliegensdörfer
Vor wenigen Tagen hat der Internationale Handball-Verband IHF seine Regeländerungen vorgestellt. Spektakuläre Neuerungen blieben weitgehend aus, allerdings versucht die Regelkommission der IHF mit einigen Umformulierungen, klarere Definitionen und Begrifflichkeiten der - in vielen Bereichen eher weichen - Handballregeln zu formulieren. Neben den Regelwidrigkeiten und deren Beobachtung steht auch das passive Spiel im Mittelpunkt. Mittlerweile legte auch die Handball-Bundesliga dem DHB Änderungswünsche vor, deren Auswirkungen allerdings meist an der Basis oder im Jugendbereich feststellbar sein dürften.

Insbesondere der „Passus Regel 8 – Regelwidrigkeiten und unsportliches Verhalten“ wurde in weiten Teilen neu formuliert und dabei auch genauer gefasst. Dabei hat die IHF insbesondere versucht, mit Klarstellungen die Bewertung von Regelwidrigkeiten objektiver zu gestalten: „Bei der Beurteilung, zu welchen persönlichen Strafen die Regelwidrigkeiten führen, finden die folgenden Entscheidungskriterien Anwendung, die je nach Situation kombiniert heranzuziehen sind“, heißt es in der Neufassung, „a) Stellung des Spielers, der die Regelwidrigkeit begeht (Frontalposition, seitlich oder von hinten), b) Körperteil, auf den die Regelwidrigkeit abzielt (Oberkörper, Wurfarm, Beine, Kopf/Hals/Nacken); c) Intensität der Regelwidrigkeit (wie intensiv war der Körperkontakt, oder/und die Regelwidrigkeit gegen den Gegenspieler, der sich in voller Bewegung befindet); d) Auswirkung der Regelwidrigkeit: - Kontrolle über Körper und Ball werden beeinträchtigt - Beweglichkeit wird eingeschränkt oder unterbunden - Das Weiterspielen wird unterbunden.“

Während so die Definition der Regelwidrigkeiten neu gefasst wurde, wurde auch der Ausschluss – 16:9-11 – gestrichen. Regel 8.6 ist neu gefasst und ermöglicht nun wieder die nachträgliche Sperre: „Stufen die Schiedsrichter eine Aktion als besonders rücksichtslos, besonders gefährlich, vorsätzlich oder arglistig ein, reichen sie nach dem Spiel einen schriftlichen Bericht ein, damit die zuständigen Instanzen über weitere Maßnahmen entscheiden können.“ Auch Regelwidrigkeiten in der „letzten Spielminute“ werden in Zukunft anders gehandelt als in der vorangegangenen Spielzeit. So gilt die Behinderung des Weiterspielens durch Offizielle als „grob unsportlich“. Auch die in Deutschland bereits geltende Regeländerung zum Herauslaufen des Torwarts übernimmt die IHF, sogar mit einer Erweiterung: Der Torwart „trägt die Verantwortung dafür, dass dabei keine gesundheitsgefährdende Situation entsteht“, heißt es in der Regel 8.5.

Auch einen weiteren neuralgischen Punkt des Regelwerks hat sich die IHF angenommen. Das passive Spiel wurde in neu formulierten Erläuterungen näher definiert. So sollen die Entscheidungskriterien „keine deutliche Temposteigerung, keine gezielte Aktion Richtung Tor, 1-gegen-1-Aktionen, mit denen kein räumlicher Vorteil erzielt wird sowie Verzögerung beim Spielen des Balls (z.B. aufgrund des Blockierens von Passwegen durch die abwehrende Mannschaft)“ sein. Auch regelgerechtes Verhalten der abwehrenden Mannschaft soll stärker berücksichtigt werden, wohingegen „auf passives Spiel darf nicht entschieden werden, wenn die aggressive Abwehr durch ständige Regelwidrigkeiten den Angriffsfluss zerstört.“

Mit einer Liste von Näherungen sollen die Schiedsrichter leichter erkennen, wann passives Spiel vorliegt. Spielen in die Breite statt Richtung Tor, leere Pässe ohne Raumgewinn und Temposteigerung oder eins gegen eins Aktionen ohne Durchbruchsraum werden explizit genannt. Auch die Abwehr kann ihren Teil zum Ballgewinn durch Passivwarnung beitragen, so, wenn ohne Foul Passwege verstellt werden oder der Angriff regelgerecht zurückgedrängt wird.

HBL fordert Änderungen des Regelwerks

Während die neuen Regeln mit dem 1. Juli 2010 gültig werden, gibt es bereits in Deutschland Änderungswünsche. Die Handball-Bundesliga HBL hat einige Anträge an das Erweiterte Präsidium des DHB, welches Anfang April in Berlin tagt, gestellt. Darunter auch die Forderung, die DHB-Zusatzbestimmung zum Regelwerk 4:4 zu kippen, die in Deutschland im Jugendbereich einen Wechsel nur erlaubt, wenn die eigene Mannschaft in Ballbesitz ist. Genau geht es dem Änderungsantrag um die Erweiterung auf den Torwart, der in der Abwehr ebenfalls nicht wechseln darf, Ausnahme ist ein Strafwurf. Im Neuantrag fordert die HBL: „Ein Torwartwechsel ist auch im Jugendbereich jederzeit möglich.“

Die Begründung folgt: „Im internationalen Bereich haben die norwegischen Frauen seit Jahren in der Unterzahlspielsituation ihre Torfrau durch einen sechsten Feldspieler ersetzt. Bei der letzten Europameisterschaft der Männer in Österreich hat Kroatien dies übernommen. In der Toyota Handball Bundesliga spielen die von Rolf Brack trainierten Mannschaften regelmäßig mit dem sechsten Feldspieler in Unterzahl. Sofern im Jugendbereich ein derartiger Wechsel nicht zugelassen wird, können die zukünftigen Handballgenerationen sich nicht mit dem modernen Handballspiel vertraut machen. Um die Jugendlichen gezielt zu fördern, muss in der Unterzahlsituation ein Wechsel zulässig sein. Entsprechendes gilt für die übrige Spielzeit. Der Einsatz eines 7. Feldspieler ist ein probates taktisches Mittel. Warum dies im Jugendbereich nicht möglich sein soll, ist nicht zu vermitteln.“ Damit würde die Änderung allerdings an den Kern der DHB-Rahmentrainingskonzeption gehen, die das Spiel in Gleichzahl in großen Räumen für die Jugend propagiert – und eben nicht das Spiel in Unterzahl, in welcher keine offensiven Abwehrtechniken und -taktiken gespielt werden können.

Auf Interesse an der Basis dürfte auch der HBL-Antrag stoßen, in Zukunft die Ballgrößen zu ändern: Bereits in der männlichen B-Jugend soll nun nach dem Wunsch der Bundesliga mit dem größten, dem „III-er Ball“ gespielt werden. Was angesichts der physiognomischen Voraussetzungen bei Heranwachsenden allerdings nicht ohne Komplikationen ablaufen dürfte, obgleich bereits jetzt im Länderpokal – Alterstufe B-Jugend – der männlichen Jugend „nach Vorgabe der DHB-Sichter mit Ballgröße 3 gespielt“ wird. Dort wird allerdings auch Haftmittel genutzt, ein meist nicht nutzbares Hilfsmittel für den Sport an der Basis. Auswirkungen an der Basis hat auch der Wunsch nach Neufassung der Regel 2.1: So soll bereits in der B-Jugend 60 Minuten gespielt werden. „Die körperliche Entwicklung der B-Jugendlichen ist derart vorangeschritten, dass die Spielzeit auf 30 Minuten ausgedehnt werden sollte“, begründet die HBL ihren Antrag.

:: Mehr Infos:
Regel 8 - Regelwidrigkeiten und unsportliches Verhalten
Regel 16 – Die Strafen
Passives Spiel
Eingreifen durch den Zeitnehmer






 
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