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03/14/2010 - Christian Ciemalla - handball-world.com |
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Lemgo überrascht Kiel |
 Michael Kraus führte den TBV Lemgo zum Erfolg über den THW Kiel Photo: TBV Lemgo |
Alleine die Zwischenstände sind ein Beweis für die abwechslungsreiche Partie, die sich Lemgo und Kiel lieferten. Im ausverkauften Gerry Weber Stadion lagen die Hausherren mit 3:9 zurück, kämpften sich zum Seitenwechsel wieder auf 14:14 heran und führten im zweiten Abschnitt selbst mit 28:21. Kiel kam noch einmal auf, stellte beim 30:29 wieder den Anschluß her und gab die Partie dann doch aus der Hand. Lemgo feierte so einen verdienten 32:30-Erfolg und zwei wichtige Big Points im Kampf um den internationalen Wettbewerb. Kiel hat nach der Niederlage unterdessen den Vorteil wieder an den HSV abgegeben, der nun auch an Minuspunkten wieder führt.
Der TBV Lemgo bleibt die Mannschaft mit den zwei Gesichtern. In der heutigen Partie gegen den THW Kiel zeigten die Ostwestfalen diese sogar in einer Partie. Kiel war entsprechend motiviert angereist, neben dem Blick auf die Tabelle war vor allem das Unentschieden aus dem Hinspiel ein Grund. Lemgo hatte sich eine taktische Alternative in der Deckung zurecht gelegt, mit der die Kieler Offensive ausgebremst werden sollte. Dies gelang alerdings nur in den ersten Angriffen des Meisters. Kiel selbst zeigte sich in der gewohnten 6:0-Formation in der Deckung sehr beweglich, bis in die fünfte Minute dauerte es, bis die über 10.000 Zuschauer in der Gerry Weber Arena den ersten Treffer aus dem Spiel sahen, Christian Sprenger hatte einen Heber von Außen zum 2:0 für Kiel in das Lemgoer Netz befördert. Vor allem der starke Martin Galia verhinderte unterdessen einen deutlicheren Rückstand und als Glandorf und Bechtloff zum 2:2 trafen, schien Lemgo die kritischen Anfangsminuten überstanden zu haben.
Preiß glich wenig später zum 3:3 aus, doch die gefühlte Kieler Überlegenheit schlug sich in der Folge dann doch im Ergebnis wieder. Vor allem Kim Andersson sorgte immer wieder für Torgefahr, nutzte den sich auf seiner Seite bietenden Platz immer wieder zu Durchbrüchen. Andersson, Ahlm, Ilic, Klein und zwei weitere Ilic-Treffer schienen beim 9:3 bereits für eine Vorentscheidung gesorgt zu haben, als Volker Mudrow nach einer Viertelstunde die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch legte. Mudrow änderte das Deckungssystem der Lemgoer auf das gewohnte 6:0, vor allem das 9:3, als Ilic über den vorgezogenen Kehrmann hinweg traf, hatte deutlich gemacht, dass Kiel mit dieser Alternative nicht zu beeindrucken war.
Ilyes beendete die Durststrecke der Hausherren und als auf der Gegenseite Ilic einen Strafwurf an den Pfosten setzte, schien dies beim TBV neue Kräfte freizusetzen. Michael Kraus, der nach seiner Oberschenkelverletzung wieder auflief, fand zu gewohnter Sicherheit und Torgefährlichkeit. Immer wieder brach er mit Einzelaktionen durch die Kieler Deckung, auch in Unterzahl, wie zum 5:9 in der achtzehnten Minute. Kiel behauptete zunächst die Führung, aber Galia und Kraus hielten die Hausherren im Spiel. Kehrmann traf nach Einlaufen an den Kreis und dann im Gegenstoß - auf der Gegenseite rutschte Lundström ein Strafwurf neben das Tor. Der Kieler Vorsprung schmolz, Kraus schaffte beim 13:14 den Anschluß und während Kiel eine weitere Überzahlsituation ungenutzt verstreichen ließ, setzte Lemgo ein psychologisch wichtiges Ausrufezeichen noch vor dem Seitenwechsel: In Unterzahl brach Strobel durch die Kieler Deckung und erzielte den Ausgleichstreffer zum 14:14 - der erste Ausgleich seit dem 3:3.
Halb hatte Kiel das Spiel aus der Hand gegeben, halb hatte Lemgo das Heft wieder an sich gerissen. Den Schwung nahmen die Hausherren mit in den zweiten Abschnitt: Kraus warf den Außenseiter erneut in Führung, Hermann und Preiß setzten weitere Treffer - bereits nach acht Minuten des zweiten Abschnitts nahm Alfred Gislason beim Stand von 19:17 für Lemgo seine Auszeit. Er versuchte entgegenzusteuern, zog fast sämtliche personelle Alternativen, den TBV Lemgo stoppten diese aber zunächst nicht. Galia war weiterhin ein starker Rückhalt und nun auch immer wieder der Ausgangspunkt für schnelle Treffer im Gegenstoß. Spätestens als Schmetz einen dieser Schnellangriffe zum 24:19 nutzte und der Abstand auf fünf Tore angewachsen war, glaubten auch die letzten der Lemgoer Fans an die Überraschung. Das Lemgoer Team schien diesen Glauben längst zu haben und demonstrierte immer wieder Selbstvertrauen. Hermann traf in Unterzahl, Bechtloff sehenswert von Außen - 26:20 hieß es vierzehn Minuten vor Spielende. Und Bechtloff setzte weitere Akzente, in Unterzahl gelang ihm das 28:21.
Zwölf Minuten waren zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen, Kiel schien aus dem Tritt geraten. Immer wieder traf der Meister die falschen Entscheidungen, versuchte zu unvorbereitet zum Abschluß zu kommen. Doch die Brechstange schien den Meister dann doch ins Spiel zurück zu bringen, Ilic und Andersson sorgten für einen Doppelschlag und neue Hoffnung. Glandorf, dem ansonsten wenig gelang, setzte einen wichtigen Treffer auf der Gegenseite, doch Kiel witterte Morgenluft. Sprenger per Strafwurf und im Gegenstoß, die Versuche mit einer offensiven 3:3 und in den letzten zehn Minuten mit einer 4+2-Deckung schienen sich für den Meister auszuzahlen. Bechtloff gelang das 30:25, doch Kiel war rechtzeitig in die Partie zurückgekehrt. Klein traf im Gegenstoß und auch die Auszeit des TBV bremste die Gäste nicht. Palicka gelangen einige Paraden, Narcisse und Andersson trafen. Lemgo ging offenbar die Luft aus, in Überzahl zwang Dominik Klein das Leder in die kurze Ecke - 30:29 und noch waren über vier Minuten zu spielen.
Auf der Gegenseite schien sich Lemgo wieder an der Kieler Deckung festzulaufen, der ansonsten eng markierte Kraus nutzte dann aber nach einem Freiwurf den Platz zu einem Schlagwurf, der zum 31:29 ins Netz der Gäste einschlug. Für Kiel ein schwerer Schlag, zumal auf der Gegenseite ausgerechnet dem starken Andersson nun ein Offensivfoul angelastet wurde. Auf der Gegenseite kassierte Anic eine Zeitstrafe und Strobel legte aus dem Rückraum das 32:29 nach - die Vorentscheidung. Andersson stemmte sich mit dem neunten Treffer noch einmal gegen die Niederlage, doch die Zeit lief dem Meister davon. Der TBV versuchte die Zeit herunterzuspielen, Palicka aber hielt die letzten Hoffnungen der Gäste noch am Leben. Klein holte eine Strafzeit und einen Siebenmeter heraus, doch diese letzte Chance setzte Sprenger neben das Lemgoer Tor - die endgültige Entscheidung. Die letzten zwanzig Sekunden wurden zu einem Lemgoer Schaulaufen und zur Wartezeit auf die erlösende Schlußsirene, die den Lemgoer Jubelsturm auslöste.
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| Scorers: Kraus (7), Preiß (6), Kehrmann (4), Hermann (4), Bechtloff (4), Strobel (3), Glandorf (2), Schmetz (1), Ilyes (1) - Andersson (9), Ilic (6), Sprenger (5), Klein (4), Ahlm (3), Narcisse (3) |
7m: - 2/5 2-Minute Penalties: 7/2
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