Isländer schnappen Schweden das Ticket zur WM in Deutschland weg
Alfred Gislason hat die Isländer nach Deutschland geführt Photo: red
Nach den Olympischen Spielen 2004 und der EM 2006 in Schweden verpasst die schwedische Nationalmannschaft auch die Weltmeisterschaften in Deutschland. Die 20. WM findet damit erstmals ohne schwedische Beteiligung statt. Dafür dürfen sich die deutschen Fans auf die isländische Nationalmannschaft freuen, die unter Führung des ehemaligen Magdeburger und neuen Gummersbacher Trainers Alfred Gislason den Sprung zur vom 19. Januar bis 4. Februar stattfindenden WM geschafft hat. Die Grundlage hatten die Isländer vor einer Woche mit dem 32:28-Auswärtserfolg in Schweden gelegt, am Nationalfeiertag konnte sich das Team so eine 25:26-Heimniederlage gegen die favorisierten Schweden erlauben.
Selten wurde in Island eine Niederlage bejubelt, wie diese am gestrigen Samstag, als sich die isländische Nationalmannschaft am Nationalfeiertag der schwedischen Auswahl mit 25:26 geschlagen geben musste. Die Laugardshöll war mit 2.800 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt und die Fans der Isländer mussten zunächst eine Schrecken verkraften. Die Schweden fanden in der nervösen Anfangsphase als erstes zu ihrem Spiel und hatten den Rückstand aus dem Hinspiel mit dem schnellen 3:0 bereits fast aufgeholt. In der angespannten Atmosphäre unterliefen den Gastgebern zunächst zuviele Fehler, zudem zeigte sich der schwedische Torhüter Svensson in einer glänzenden Verfassung und parierte bereits im ersten Abschnitt gleich zwölf isländische Würfe.
Nach 6:40 Minuten gelang Snorri Steinn Gudjonsson der erste Treffer für die Isländer, die danach zwar zwischenzeitlich zum 5:5 ausgleichen konnten, aber die meiste Zeit einem Rückstand hinterherliefen. Die Schweden dominierten die Partie, standen gut in der Deckung und erarbeiteten sich in der Offensive immer wieder gute Einwurfmöglichkeiten. Beim Halbzeitstand von 12:10 hatten die Schweden weiterhin alle Chancen, die Hinspielniederlage noch aufzuholen. Und zu Beginn der zweiten Halbzeit schien sich der schwedische Traum von der WM in Deutschland doch noch zu erfüllen. Mit einem guten Start in den zweiten Abschnitt setzten sich die Gäste aus 17:12 ab und gingen damit auch in der Addition in Führung.
Lautstark angefeuert von den heimischen Fans fanden die Isländer aber zurück in die Partie. Snorri Steinn Gudjonsson, Olafur Stefansson und Robert Gunnarsson brachten ihre Mannschaft wieder heran und als in den letzten zehn Minuten dann auch noch Arnor Atlason zu seinem Spiel fand und wichtige Treffer erzielte. Beim 22:22 gelang den Isländer dann sieben Minuten vor Spielende der Ausgleich, doch eine doppelte Überzahlsituation sorgte dann noch einmal für Hoffnung bei den Schweden. Aber die nun starke isländische Deckung und der nun glänzende Birkir Ivar Gudmundsson im Tor ließen die Schweden trotz der zweifachen personellen Überlegenheit nicht mehr davonziehen, auch weil Fredrik Lindahl gleich zwei gute Einwurfchancen vergab. In den letzten Minuten feierten die Zuschauer bereits die Qualifikation für die WM in Deutschland, Lennartsson Siegtreffer für die Schweden ging in dieser Partystimmung bereits unter.
"Der Sieg auf Island ist ausgezeichnet, aber für die Niederlage im heimischen Globen müssen wir uns selbst zur Rechenschaft ziehen", so Kim Andersson gegenüber "Sport Expressen". Auch der schwedische Trainer Ingemar Linnel sah den Knackpunkt im Hinspiel: "Die letzten sieben Minuten zu Hause im Globen haben den Ausschlag gegeben", so Linnel, dessen Zukunft noch nicht gesichert ist. Laut "Aftonbladet" gibt es eine Klausel im Vertrag zwischen Verband und Trainer, nach der beide Seiten eine Aufhebung zum 30. Juni beantragen könnten. Olafur Stefansson sah unterdessen in der Fähigkeit trotz des Drucks kühl zu bleiben den ausschlagebenden Punkt für die Isländer und fügte in Richtung WM 2007 an: "Vielleicht das beste Handballturnier aller Zeiten". "Ich bin so stolz auf diese Mannschaft, der Kampfgeist ist unglaublich, sie haben sich nie aufgegeben", so der überglückliche isländische Coach Alfred Gislason, dem sein zukünftiger Arbeitgeber VfL Gummersbach durch Hans-Peter Krämer direkt vor Ort gratulierte, nach Spielende. Für Markús Máni Michaelsson Maute war es die Partie schlechthin: "Es ist irre, was hier los war, ich danke den Zuschauern. Nun werden wir den Erfolg erst einmal richtig feiern." Mittendrin auch Jens Sieberger von der HSG Düsseldorf, der seinem Mannschaftskameraden die Daumen drückte und sich beeindruckt zeigte: "Das war ein unglaubliches Spiel mit einem fanatischen Publikum, wie ich es nicht erwartet hätte."